Das Pixel-Desaster

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Google Pixel und Pixel XL: Die Nachfolger der Nexus-Serie. (Credits: Google)

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich selbst bin seit etwa fünf (!) Jahren treuer Nexus-Anhänger und habe in diesem Zeitraum ausschließlich Tablets und Smartphones von Googles Eigenmarke gekauft. Mir sagt Android einfach mehr zu als iOS (und ansonsten gibt es ja – momentan – keine Konkurrenz auf Augenhöhe), zudem kommt mir innerhalb des Google-OS-Universums nur pures Android ins Haus. Deshalb Nexus.

Das hat mehrere Gründe:

  • Pures Android ist schlanker und läuft flüssiger
  • Pures Android kommt mit deutlich weniger Bloatware daher
  • Nexus-Geräte erhalten Support und Updates direkt von Google und damit deutlich schneller als alle anderen
  • Nexus-Geräte erhalten Updates im Normalfall länger als andere Android-Geräte
  • Subjektiv: Vanilla-Android sieht besser aus als alle anderen Hersteller-UIs

Nun hat Google bekanntermaßen am Dienstagabend die Nexus-Serie zu Grabe getragen und als Ablöse die Pixel-Geräte ins Leben gerufen. Im Endeffekt gibt es damit zwei große Änderungen: Erstens hat die Hardware nun tatsächlich auch ein Google-Branding – zuvor war das Logo des jeweiligen Herstellers immer groß mit auf jedem Nexus gestanden. Beim Galaxy Nexus von 2011 trug der Name sogar die deutliche Handschrift des Herstellers Samsung. Hergestellt werden die Geräte zwar immer nicht direkt von Google, aber zumindest ist die tatsächliche Herkunft jetzt nicht mehr ohne Weiteres ersichtlich. Die zweite große Änderung ist der Preis: Ab 759€ geht es in Deutschland los, die XL Variante mit 5,5 Zoll-Bildschirm und dem großen 128 GB-Speicher schlägt sogar mit sagenhaften 1009€ zu Buche – holla, die Waldfee!

„…die XL Variante mit 5,5 Zoll-Bildschirm und dem großen 128 GB-Speicher schlägt sogar mit sagenhaften 1009€ zu Buche – holla, die Waldfee!“

Geneigten Smartphone-Fans fällt dabei natürlich sofort eine nicht zu übersehende Ähnlichkeit mit einem anderen großen Technik-Konzern auf, der seinen Sitz nicht allzu weit von Googles Hauptquartier entfernt hat. Kleiner Tipp: Sein Markenzeichen ist angebissenes Obst. Richtig – das sind doch exakt die gleichen Preise, die auch Apple für seine aktuellen Geräte iPhone 7 und iPhone 7 Plus verlangt. Da stellt sich mir die Frage: Wenn Google nun für seine eigenen Smartphones den gleichen heftigen Preis wie Apple verlangt – stimmt dann das Rundum-Glücklich-Paket?

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War das (teure, aber richtig gute) Nexus 6P das letzte seiner Art? (Credits: Google)

Gleich vorneweg: Nein. Erstens hat Google ein Smartphone vorgestellt, das in seiner größten Variante über tausend Euro kostet, aber nicht einmal einen optischen Bildstabilisator hat. Auch wasserdicht sind die Pixel-Geräte nicht – schon erstaunlich, selbst Apple bekommt das mittlerweile hin. Mit dem Komfort und Service der weit verbreiteten Apple Stores kann Google ebenfalls nicht mithalten, denn es gibt keine vergleichbaren Läden des Suchmaschinen-Giganten. Als glücklicher Nexus-6P-Besitzer empfinde ich den Rückschritt zu einem Mono-Lautsprecher, der auch noch an der Seite angebracht ist, zudem als absolutes No-Go. Betrachtet man den riesigen freien Platz, den das Gehäuse der Pixel-Smartphones ober- und unterhalb des Bildschirms bietet, ist das meiner Meinung nach schon fast eine Frechheit, umso mehr bei diesem saftigen Preis.

„Was hat Google nur geritten, als sie sich das alles ausgedacht haben?“

Als „Ausgleich“ versucht Google dafür, den neuen Assistenten als DAS Feature schlechthin zu vermarkten und was mir als langjähriger und treuer Nexus-Fan mal so richtig sauer aufstößt: Pixel-Smartphones nehmen nun bezüglich Updates den Status von Nexus-Geräten ein. Letztere erhalten neue Updates nun nicht mehr so flott wie bisher – what the hell?! Dafür habe ich vor einem Jahr also 700 Euro ausgegeben? Damit ihr euer Update-Versprechen jetzt einfach verwerft, weil es euch nicht mehr passt? Danke Google! Und um dem ganzen die Krone aufzusetzen, wird es in Zukunft exklusive Android-Features geben, die nur die Pixel-Geräte bekommen, nicht aber die Nexus-Smartphones. Mal ganz davon abgesehen, dass Google damit die ohnehin schon völlig ausufernde Android-Fragmentierung noch weiter treibt, ist es schon mehr als fragwürdig, ob man damit so einen Preis rechtfertigen kann.

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Google hat am Dienstag neben anderen Geräten auch seine neusten Smartphones vorgestellt. (Credits: Screenshot Youtube)

tl;dr: Was hat Google nur geritten, als sie sich das alles ausgedacht haben? Apple-Preise verlangen, aber nicht mithalten können. Treue Nexus-Fans vor den Kopf stoßen. Ob das von Erfolg gekrönt sein wird, ist mehr als fragwürdig. Ich persönlich wünsche mir, dass das Projekt in dieser Form scheitert und Google nächstes Jahr wieder zur (zu Recht) beliebten Nexus-Serie zurückkehrt. Bis dahin hat mein Nexus 6P dann auch ausgedient und ich würde den Jungs aus Mountain View gerne wieder einen Haufen Geld in den Rachen schmeißen – aber nicht 1000 Euro für das, was da am Dienstag vorgestellt wurde.


Was haltet ihr von den Pixel-Geräten und von Googles neuer Strategie?

12 Gedanken zu “Das Pixel-Desaster

  1. Die Idee hinter dem Pixel Projekt finde ich sehr gut und denke (und hoffe), dass dieses auch in Zukunft fortgesetzt wird. Für Nexus Geräte sehe ehrlich gesagt keinen Bedarf mehr. Natürlich muss Google aber auch günstigere Pixel Geräte anbieten, ansonsten werden diese keinen großen Marktanteil einnehmen können.
    Auch sollte Google die letzten Nexus Geräte soweit möglich noch wie Pixel Geräte behandeln. Der Google Assistant bspw. sollte genauso gut auf dem Nexus 5X und 6P laufen.

    Über fehlendes OIS war ich anfangs auch etwas enttäuscht, aber laut den Kameratests schneidet es in nahezu allen Kategorien (teilweise deutlich) besser als das iPhone 7 ab – auch im Bereich Stabilisierung.

    Ich habe mir am Tag der Vorstellung ein Pixel in Anthrazit mit 32 GB vorbestellt. Ungeachtet dessen hoffe ich (auch für Google) auf bald sinkende Preise a la Nexus 5X.

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    1. Die letzten Nexus-Geräte sollten auf jeden Fall – wie versprochen, und dafür habe ich unter anderem auch die 700€ für das Nexus 6P bezahlt – weiterhin wie Nexus-Geräte seit eh und je behandelt werden. Das ich mit meinem gerade mal knapp 11 Monate alten Gerät jetzt länger warten soll, weil Google lieber die deutlich teureren Pixel-Geräte verkloppen will, kann ich nachvollziehen, unverschämt finde ich es trotzdem. Das ich außerdem auf neue Android-Features verzichten soll, die ohne Probleme auch auf dem Nexus laufen, aber künstlich beschnitten werden, um mehr Kaufargumente für das Pixel zu haben, ist ebenfalls wirklich dreist von den Jungs aus Mountain View.

      Was fehlendes OIS angeht: Das ist bei meinem Nexus 6P ja auch der Fall und da wurde im Vorfeld von Google und vielen Testern auch gesagt, dass es nichts ausmacht – leider hat sich das im Alltag allzu oft als falsch herausgestellt. Die Fotos sind bombe, keine Frage, besonders bei schlechten Lichtverhältnissen. Gerade wenn ich aber mit nur einer Hand ein Foto machen will, wackelt das Gerät leicht und ich brauche mehrere Versuche für einen scharfen Schnappschuss. Warum Google also bei einem SO teuren Gerät darauf verzichtet, ist mir schleierhaft.

      Lass mich auf jeden Fall wissen, wie es sich im tatsächlichen Alltag schlägt, daran bin ich nämlich – trotz allem – natürlich sehr interessiert. Sollten die Preise wirklich stark sinken, dann hole ich mir vielleicht nächstes Jahr doch ein Pixel XL, denn bei einem niedrigeren Preis finde ich die meisten Kritikpunkte durchaus vertretbar. Und ich hoffe natürlich, du hast viel Spaß mit der Kiste 🙂

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      1. An die Aussage, dass die Nexus Kameras kein OIS brauchen, erinnere ich mich auch. Die Fotos meines Nexus 5X ist auch super, aber Videos sind echt ein Problem. Google hatte aber auf dem Pixel Event ja ein Video laufen bei dem sie die neue EIS gezeigt haben. Daher gehe ich davon aus dass das stimmt 🙂

        Werde auf Twitter auf jeden Fall ein paar Erfahrungen teilen 😉 Ab welchem Preis würdest du denn „zuschlagen“?

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      2. Stimmt, an Videos habe ich gar nicht gedacht – die sind tatsächlich ziemlich unbrauchbar, da viel zu verwackelt – wenn das Smartphone allerdings dank Objektiv oder ähnlichem still steht, ist die Qualität super.

        Ich werde deine Tweets weiterhin aufmerksam verfolgen 😉

        Mal davon abgesehen, dass ich momentan auch kein Geld habe, um mir ein 200€-Gerät zu kaufen würde ich prinzipiell schon jetzt das Rechnen anfangen, wenn der Preis auf dem Vorjahresniveau geblieben wäre. 700€ für die große Version mit 64GB ist für mich zum Start echt in Ordnung.

        Allerdings muss der Preis für diese Ausstattung mindestens auf 500€ fallen, da 5,5 Zoll und seitlich ausgerichteter Mono-Lautsprecher für mich drastische Rückschritte zu meinem aktuellen Nexus 6P sind. Vor allem Letzteres ist für mich ein echter Deal-Breaker, wo ich mich jetzt so sehr an die Vorzüge von frontal ausgerichteten, lauten Stereo-Lautsprechern gewöhnt habe.

        Aber auch das kleinere Display geht echt nicht, da ich mit meinem Smartphone sehr viel unterwegs arbeite und jeden Platz gebrauchen kann. Mit dem Nexus 6P kann ich tatsächlich 95% der Arbeiten erledigen, die unterwegs anfallen und mir deshalb sparen, ein Tablet zu kaufen oder den deutlich schwereren Laptop mitzuschleppen.

        tl;dr: Der Preis müsste sich auf jeden Fall halbieren, um über einen Kauf nachzudenken. Davon abgesehen sind das Display und die Lautsprecher für mich persönlich echte K.O.-Argumente, die mich von einem Kauf bis zu einem sehr niedrigen Preis definitiv abhalten.

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  2. Was Google geritten hat? Auch wenn es plump klingt. Es ist natürlich das liebe Geld. Google sieht den Erfolg, den Apple mit seiner Marketingstrategie hat: Ein neues Smartphone herausbringen, dass ein besseres Update seines Vorgängermodells ist und neue „Features“ einbauen. Diese machen dann z.T. Hardware oder Software des Vorgängermodells überflüssig, neues Equipment muss gekauft werden. Der Punkt ist: Es funktioniert. Das hat Google gesehen und möchte nun natürlich auch auf den Zug aufspringen (Mal davon abgesehen, dass das Pixel auf dem ersten Blick große Ähnlichkeiten zu dem Iphone hat). Selbes Prinzip wie bei EA. 60-70 Euro für ein Spiel verlangen und dann noch einmal Unmengen an Geld für Add-ons –> Solange es die Konsumenten kaufen, gibt es für die Firmen keinen Grund, ihre Verkaufsstrategie zu ändern.
    Siehe zu dem Thema: Letzte Folge Neo Magazin Royale 😉

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    1. Klar, Google bzw. Alphabet ist ein riesiger Weltkonzern – logisch, dass es da in erster Linie um Geld geht. Allerdings kann ich mich nicht vorstellen, wie diese Premium-Preis-Strategie aufgehen soll, wenn man im Gesamtpaket einfach nicht mit Apple mithalten kann. Und das sage ich als einer der vermutlich größten Google- und Android-Fans überhaupt.

      Da fehlen einfach die Apple Stores, (meiner Meinung nach) OIS und Wasserdichte, aber vor allem, und das ist das wichtigste: Apple verkauft nicht nur ein (sehr teures) Smartphone, Apple verkauft einen Lifestyle und eine weltbekannte Marke – beides hat sich die Firma über lang Zeit mühsam aufgebaut, sodass das iPhone-Geschäft heute quasi von alleine läuft, auch wenn kaum noch (nennenswerte) Neuerungen kommen.

      Einfach nur Apple-Preise verlangen, aber ansonsten nicht mithalten: Das klingt für mich nach einer Idee, die zum Glück zum Scheitern verurteilt ist.

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  3. Kann dir im Großen und Ganzen nur zustimmen: Der vergleichsweise geringe Preis war auch für mich immer mit ein entscheidendes Kaufargument. Nachdem mir das P6 letztes Jahr zu groß war, wollte ich eigentlich beim Pixel zuschlagen, aber nicht zu dem Preis. Letztendlich habe ich mir heute das Nexus 5X bestellt, werde mein altes Nexus 5 verkaufen, und habe dann für unterm Strich ca. 100 € ein Smartphone, dass hoffentlich noch zwei Jahre hält – entweder bis Google wieder die Nexus-Reihe belebt, oder die Pixel-Geräte zu ursprünglichen Nexus-Preisen zu haben sind.

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