Chrome OS: Der Browser als Betriebssystem | Langzeit-Test 2018

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(Credits: Johannes Gehrling)

Betriebssysteme sind vieles: Mittel zum Zweck, notwendiges Übel, interessanter Softwarebereich und die Säulen unserer modernen Infrastruktur zum Beispiel. Während es früher neben Microsoft Windows nicht viel Nennenswertes gab, sieht das heute ganz anders aus, nicht zuletzt wegen dem Aufstieg der Smartphones und ihrer Betriebssysteme wie Android und iOS. Seit nunmehr über sieben Jahren buhlt Google im Laptop-Bereich mit Chrome OS um Kunden, besonders in US-amerikanischen Bildungseinrichtungen sogar sehr erfolgreich.

Auch ich habe mich vor rund eineinhalb Jahren zum Kauf eines Geräts mit Chrome OS hinreißen lassen, nachdem ich lange Zeit mit der Anschaffung liebäugelte und schon viele Jahre zuvor großes Interesse an Googles produktivem Betriebssystem hatte. Am Ende ist es dann mit dem Acer Chromebook R13 ein in der gehobenen Mittelklasse des Chromebook-Marktes angesiedeltes Gerät geworden, das auf ein Metall-Gehäuse, 13,3-Zoll-Touchscreen und einen Macbook-Look setzt. 400 Euro habe ich dafür bezahlt. Bei meiner folgenden detaillierten Betrachtung des Betriebssystems versuche ich, soweit wie möglich allgemein auf Chrome OS einzugehen, also unabhängig vom verwendeten Gerät.

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Das Acer Chromebook R13 ist ein schickes Gerät mit Touchscreen und Metall-Gehäuse und diente als Testgerät für diesen Erfahrungsbericht. (Credits: Acer)

Pro: Akkulaufzeit

Bereits beim Artikel zu meinen Ersteindrücken von Chrome OS habe ich es geschrieben und es hat sich bis heute immer wieder bewahrheitet: Dank seiner niedrigen Ansprüche an die Hardware besticht das schlanke und effiziente Chrome OS mit fast schon irrsinnig guter Akkulaufzeit, zumindest im Vergleich zu Windows-Laptops. Mit meinem Acer Chromebook R13 komme ich beim produktiven Arbeiten mit vielen Tabs, teilweise recht anspruchsvoller Browser-Software und dazwischen einigen Videos locker auf rund zwölf satte Stunden Laufzeit. Angesichts der Akkukapazität von 4670 mAh im R13 und einem 13,3 Zoll großen Full-HD-Display mit Touchscreen ist das geradezu verblüffend. Mein Google Pixel 2 XL hat zum Vergleich einen 3520 mAh großen Akku und damit gar nicht Mal so arg viel weniger Kapazität, kommt beim produktiven Arbeiten aber nicht annähernd auf zwölf Stunden Nutzungszeit heran. Ein riesiger Pluspunkt für Chrome OS beim Arbeiten unterwegs.

Pro: Preis

Auch das habe ich bei meinem Ersteindruck-Artikel schon geschrieben und ich wiederhole es an dieser Stelle gerne: Der im Vergleich zu Macbooks, Ultrabooks und ähnlichen vergleichbaren Geräten geradezu günstige Preis macht produktives Arbeiten für eine breite Masse erschwinglich. Es müssen nicht mal 400 Euro für das von mir verwendete Acer-Chromebook sein, schon für den halben Preis bekommt ihr ein vernünftiges Gerät mit Chrome OS, dann vielleicht ohne Touchscreen und mit Plastik- statt Metallgehäuse. Wer monetär eher kleine Brötchen backt und einen Laptop zum Arbeiten sucht, sollte sich die Anschaffung eines günstigen Chromebooks ernsthaft überlegen.

Pro: Solides Arbeitswerkzeug

Bis zu dieser Stelle habe ich nun schon mehrfach von produktivem Arbeiten gesprochen, denn genau das ist die große Stärke von Chrome OS. Heutzutage ist für viele Aufgaben keine dedizierte Software mehr notwendig, die installiert werden muss, stattdessen läuft sehr vieles über den Browser und dieser ist bei vielen Usern ohnehin Chrome. Da Chrome OS im Endeffekt nichts weiter ist als der Chrome-Browser um ein größeres Interface erweitert, setzt das Betriebssystem voll auf online-basierte Software. Google bietet beispielsweise selbst ein vollumfängliches Office-Paket an, das im Browser arbeitet, aber auch Microsoft Office läuft problemlos auf die gleiche Art. WordPress, womit ich diesen Blog betreibe, für meinen Job Asana, ein vom Verlag programmiertes Content-Management-System, Kommunikation via E-Mail, Chat, Video-Chat, Bildbearbeitung und vieles mehr: All das funktioniert wunderbar im Browser und somit auch unter Chrome OS. Gestehen wir uns ein: Viele von uns fahren zum Arbeiten ihren Windows-PC hoch, nur um dann zu 95 Prozent im Browser zu arbeiten. Chrome OS ist daher ein logischer nächster Schritt. Es sei denn, ihr gehört zu den Nutzern, die ich unter den Punkten weiter unten beschreibe.

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Besonders gut eignen sich Chromebooks zum produktiven Arbeiten, beispielsweise Schreiben mit WordPress. (Credits: Johannes Gehrling)

Pro: Kontinuierliche Weiterentwicklung

Während der rund eineinhalb Jahre, in denen ich nun ein Chromebook regelmäßig zum Arbeiten und gelegentlich auch zur Freizeitbeschäftigung nutze, hat sich das Betriebssystem dank wöchentlicher Updates kontinuierlich weiterentwickelt und dabei immer weiter verbessert. Zu Beginn liefen noch keine Android-Apps auf dem R13, mittlerweile tun sie das schon fast ein Jahr, dazu mehr im nächsten Abschnitt. Neue Funktionen kommen regelmäßig dazu, beispielsweise vor einiger Zeit ein komfortabler Splitscreen-Modus, wie es ihn auch unter Android gibt. Will heißen: Features, die aktuell vielleicht noch fehlen, solltet ihr zunächst recherchieren, bevor ihr euch deswegen gegen die Anschaffung eines Geräts mit Chrome OS entscheidet. Vielleicht arbeitet Google gerade schon an genau der gewünschten Funktion, die bald per Update kommt.

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Regelmäßige Updates erweitern immer wieder den Funktionsumfang von Chrome OS. (Credits: Johannes Gehrling)

Pro: Android-Apps

Bereits ganz kurz erwähnt: Viele Chromebooks verstehen sich mittlerweile auch auf Android-Apps. Aber Achtung: Das gilt nicht für alle Geräte am Markt! Legt ihr Wert auf das Feature, informiert euch vor einem Kauf. Solche Laptops mit Android-Unterstützung haben den vom Smartphone gewohnten Zugriff auf den Google Play Store, der auf Chromebooks auch genauso funktioniert wie auf Android-Geräten. Hier ist es natürlich von Vorteil, wenn das Gerät einen Touchscreen hat, so wie das von mir verwendete Chromebook R13, weil die Nutzung dadurch ganz einfach wesentlich angenehmer ist. Der große Vorteil: Chrome OS ist mit Android-Apps um ein Vielfaches abwechslungsreicher und mächtiger an Funktionen, da euch die Millionen von Apps aus Googles anderem Betriebssystem zur Verfügung stehen. Damit lässt sich so manche Aufgabe am Chromebook doch erledigen, die im Browser vielleicht nicht sonderlich praktikabel oder sogar schlicht unmöglich ist.

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Wenn es das Chromebook unterstützt, habt ihr Zugriff auf den Google Play Store und somit Android-Apps. (Credits: Johannes Gehrling)

Contra: Internet-Abhängigkeit

Auch diesen Punkt habe ich bei meinem letztjährigen Beitrag zu Chrome OS schon angesprochen: die Abhängigkeit vom Internet. Es sollte offensichtlich sein, dass ein Betriebssystem sehr stark vom Internet abhängig ist, wenn es sich dabei im Grunde um einen aufgeblasenen Browser handelt. Auch unter Windows, Android, iOS oder jedem anderen Betriebssystem ist ein beliebiger Browser ohne Anschluss an das weltweite Netz ziemlich nutzlos; hier trifft das eben auf das gesamte Betriebssystem und somit den kompletten Laptop zu. Wobei ich fairerweise die Frage in den Raum werfen möchte: Arbeitet ihr mit Windows oder MacOS sonderlich produktiv ohne Internet? Eben.

Office-Arbeiten sind zudem mit Chrome OS auch ohne Internet problemlos möglich, eure Arbeit wird dann bei der nächsten Verbindung mit dem Netz synchronisiert. Und natürlich könnt ihr, falls vom Gerät unterstützt, Android-Apps nutzen, die keine dauerhafte Internetverbindung benötigen. Wahlweise gibt es auch einige Chromebooks mit SIM-Karten-Slot und somit Zugang zum mobilen Internet, ansonsten seid ihr auf WLAN-Hotspots angewiesen oder nutzt euer Smartphone als Hotspot. Irgendeine Form von Internet braucht ihr allerdings, außer für die genannten Offline-Funktionen.

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Ohne Internet geht vieles nicht mehr bei Chrome OS. (Credits: Johannes Gehrling)

Contra: Nichts für Gamer

Ich bin Gamer von Berufes wegen seit Juli 2016 und privat schon fast mein ganzes Leben. Habe ich in meiner Kindheit sowohl am PC als auch an Konsolen sehr aktiv gespielt, beschränkt sich das heute aber weitestgehend auf Konsolen, aktuell in erster Linie die Nintendo Switch. Ab und zu reizt mich dann aber doch eine Runde Sims, Age of Empires, Rollercoaster Tycoon, Tropico, Dungeon Keeper, Sim City oder ähnliches (ja, ich liebe alte Aufbauspiele). Da bin ich mit einem Chromebook allerdings aufgeschmissen, von aktuellen Spielen allein schon wegen der vergleichsweise schwachen Hardware ganz zu schweigen. Kein Problem für mich, denn ich habe auch noch einen Windows-Laptop. Wollt ihr zocken, beschränkt sich das mit einem Chromebook aber auf solche Spiele, die komplett im Browser laufen sowie Android-Games. Reicht euch das: super. Ansonsten: Seid euch bewusst, dass Chrome OS vor allem zum Arbeiten, Surfen und Medienkonsum da ist, und nicht wirklich zum Daddeln.

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Es gibt im Chrome Store und Play Store natürlich viele Spiele, aber wirklich tolles Zocken ist mit Chrome OS nicht. (Credits: Johannes Gehrling)

Contra: Nichts für Videoproduktion

Videoproduktion ist unter Chrome OS gleich aus zwei Grünen ein kompliziertes Unterfangen: Erstens sind rein im Browser arbeitende Software sowie entsprechende Android-Apps einfach nicht so mächtig wie ein Final Cut oder Ähnliches. Zweitens fehlt es Chromebooks an Rechenleistung, da das Betriebssystem ja wie im ersten Punkt beschrieben sehr genügsam ist und solche Geräte dementsprechend mit vergleichsweise schwacher Hardware daherkommen. Solltet ihr mit einem Chromebook liebäugeln und wollt damit Videos produzieren: überlegt es euch ganz genau oder lasst es lieber gleich bleiben. Da gibt es andere Systeme/Geräte, die den Job einfach vielfach besser machen.

Fazit

Gibt es noch mehr Vorteile und Nachteile bei Chrome OS? Bestimmt. Alle, die mir in rund eineinhalb Jahren Nutzung aufgefallen sind, habt ihr aber gelesen, wenn ihr bis hierher gekommen seid. Chromebooks sind deutlich günstiger als vergleichbare Geräte und ideale Arbeitswerkzeuge, wenn ihr damit so oder so ähnlich arbeiten wollt, wie ich es tue. Das heißt: unterwegs Artikel schreiben, Berichterstattung von Messen, E-Mails mit einer richtigen großen Tastatur beantworten, bloggen. Auch der Medienkonsum macht mit einem Chromebook Spaß, bei Vorhandensein eines Touchscreens gilt das auch für die Nutzung von Android-Apps. Dank der ausdauernden Akkulaufzeit seid ihr unterwegs faktisch nie auf eine Steckdose angewiesen, solange ihr nicht mehr als zwölf Stunden am Tag durchgehend mit dem Gerät arbeitet.

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Der Medienkonsum unter Chrome OS macht Spaß. (Credits: Johannes Gehrling)

Die Internetabhängigkeit entpuppte sich im Nachhinein als Papiertiger im Vergleich zu meinen Befürchtungen im Vorfeld: Einige Arbeiten wie Schreiben gehen auch ohne Internet von der Hand, außerdem gibt es heutzutage wirklich fast überall WLAN, im Notfall dient das Smartphone als Hotspot. Enttäuscht war ich tatsächlich nur von der schlechten Eignung eines Chromebook als Spielemaschine und bei der Videoproduktion. In beiden Fällen ist Chrome OS wohl eher nicht die richtige Wahl. Davon abgesehen: Entscheidet euch eigenständig aufgrund der Pros und Contras, die ich euch an die Hand gegeben habe. Grundsätzlich ist Chrome OS ein ausgereiftes und umfangreiches Betriebssystem, das Spaß macht und seine Arbeit sehr gut verrichtet; und das zu einem vergleichsweise günstigen Preis.


Habt ihr noch Fragen zu Chrome OS? Schreibt es mir gerne in die Kommentare!

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